Behandlung & neue Therapien
Aktuelle und zukünftige Behandlungsmöglichkeiten bei erhöhtem Lp(a)
Ein erhöhter Lp(a)-Wert ist überwiegend genetisch bedingt und reagiert kaum auf Ernährung oder Lebensstil. Das macht die Behandlung schwierig. Trotzdem gibt es wirksame Wege, das Herz zu schützen und das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.
Auf dieser Seite erhalten Sie einen Überblick über derzeit verfügbare Maßnahmen und über neue Therapien, die sich in der Entwicklung befinden.
Warum Behandlung wichtig ist
Ein hoher Lp(a)-Wert erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Verkalkungen an der Aortenklappe – auch bei Menschen mit ansonsten normalen Cholesterinwerten. Weil Lp(a) sich nicht durch Ernährung, Sport oder Gewohnheiten senken lässt, ist es wichtig zu verstehen, wie man das Gesamtrisiko auf andere Weise reduzieren kann.
Zurzeit lässt sich Lp(a) selbst kaum direkt senken. Aber das damit verbundene Risiko lässt sich gezielt steuern.
Aktuelle Behandlungsansätze bei erhöhtem Lp(a)
Auch wenn es derzeit keine zugelassenen Medikamente gibt, die speziell Lp(a) senken, können Ärztinnen und Ärzte andere Risikofaktoren behandeln – zum Beispiel LDL-Cholesterin, Blutdruck und Entzündungen – um die schädlichen Auswirkungen eines hohen Lp(a)-Werts zu verringern.
Statine
Statine sind die am häufigsten eingesetzten Medikamente zur Senkung von LDL-Cholesterin („schlechtes“ Cholesterin). Sie senken Lp(a) zwar nicht direkt, schützen aber die Gefäße und reduzieren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich.
PCSK9-Hemmer
PCSK9-Hemmer sind sehr wirksame cholesterinsenkende Medikamente für Menschen mit dauerhaft erhöhtem LDL. Sie können LDL um rund 60 % senken und in einigen Fällen auch Lp(a) um etwa 10–30 % reduzieren. Diese Wirkstoffe werden häufig bei genetischer Veranlagung oder sehr hohem kardiovaskulären Risiko eingesetzt.
Niacin (Vitamin B3)
Hoch dosiertes Niacin kann Lp(a) geringfügig senken. Aufgrund begrenzter Wirksamkeit und häufiger Nebenwirkungen wird diese Therapie in europäischen Leitlinien jedoch nicht mehr allgemein empfohlen.
Lipoprotein-Apherese
Bei Menschen mit extrem hohen Lp(a)-Werten und wiederholten kardiovaskulären Ereignissen kann eine Lipoprotein-Apherese in Betracht gezogen werden. Dabei wird Blut über ein spezielles Filtersystem geleitet, um Fettpartikel – einschließlich Lp(a) – zu entfernen. Der Effekt ist zeitlich begrenzt, kann aber in schweren Fällen hilfreich sein.

Neue und kommende Therapien zur Senkung von Lp(a)
Weltweit werden neue Medikamente entwickelt, die gezielt auf die Produktion von Lp(a) abzielen. Diese Wirkstoffe greifen in der Leber ein, wo Lp(a) gebildet wird, und blockieren die Herstellung von Apolipoprotein(a) – dem Bestandteil, der Lp(a) von normalem LDL-Cholesterin unterscheidet.
Die ersten Ergebnisse aus klinischen Studien sind sehr vielversprechend. Einige dieser neuen Therapien konnten Lp(a)-Werte um mehr als 80 % senken.
Einer der am intensivsten untersuchten Wirkstoffe ist Pelacarsen (entwickelt von Novartis und Ionis Pharmaceuticals). In großen internationalen Studien wird derzeit geprüft, ob eine starke Senkung von Lp(a) auch zu weniger Herzinfarkten und Schlaganfällen führt.
Diese Medikamente sind noch nicht zugelassen. Die ersten gezielt gegen Lp(a) gerichteten Therapien könnten jedoch in den nächsten Jahren verfügbar werden – vorausgesetzt, Sicherheit und Wirksamkeit werden in den derzeit laufenden Studien bestätigt. Für Menschen mit sehr hohen Lp(a)-Werten bedeuten diese Entwicklungen eine reale Perspektive auf eine gezielte Behandlung – ein wichtiger Fortschritt in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Checkliste – was Sie jetzt tun können, wenn Ihr Lp(a) erhöht ist
Auch wenn Sie Ihren Lp(a)-Wert selbst nicht verändern können, gibt es viele wirksame Schritte zum Schutz von Herz und Gefäßen:
- Halten Sie Ihr LDL-Cholesterin so niedrig wie möglich.
Ein günstiger LDL-Wert senkt Ihr Gesamtrisiko. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Sie zu Medikamenten oder Lebensstiländerungen beraten.
- Kontrollieren Sie Blutdruck und Blutzucker.
Erhöhte Werte belasten die Gefäße zusätzlich.
- Hören Sie mit dem Rauchen auf.
Rauchen beschleunigt Gefäßverkalkung – besonders in Kombination mit hohem Lp(a).
- Ernähren Sie sich herzgesund.
Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Fisch, Nüsse und ungesättigte Fette. Weniger gesättigte Fette und stark verarbeitete Lebensmittel.
- Bewegen Sie sich regelmäßig.
Ziel sind mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche – z. B. zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Das unterstützt eine gesunde Durchblutung.
- Halten Sie ein gesundes Körpergewicht.
Ein stabiles Gewicht hilft, den Fettstoffwechsel im Gleichgewicht zu halten.
- Kennen Sie Ihre familiäre Vorgeschichte.
Wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Ihrer Familie häufig vorkommen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob zusätzliche Kontrollen oder ein Lp(a)-Test sinnvoll sein könnten.

Auch wenn Sie Ihre Gene nicht ändern können: Regelmäßige Bewegung, Rauchstopp, Blutdruckkontrolle und eine herzgesunde Ernährung verbessern Ihre Gefäßgesundheit deutlich und helfen, das zusätzliche Risiko durch hohes Lp(a) auszugleichen.
Wann ist eine Behandlung besonders wichtig?
Eine intensivere Betreuung oder Behandlung ist besonders sinnvoll, wenn:
- Ihr Lp(a)-Wert deutlich erhöht ist (>125 nmol/L oder >50 mg/dL).
- Herz- oder Gefäßerkrankungen in Ihrer Familie früh auftreten.
- Sie bereits Herzprobleme hatten – trotz normalem Cholesterin.
In solchen Fällen kann Ihre Hausärztin / Ihr Hausarzt oder Ihre Kardiologin / Ihr Kardiologe Kombinationen aus Cholesterinsenkung, Lebensstilanpassungen und engmaschiger Kontrolle empfehlen.
Für Menschen mit hohem Lp(a) und familiärer Vorbelastung kann es sinnvoll sein, regelmäßig ein vollständiges Fettstoffwechselprofil (LDL, HDL, Triglyzeride, Gesamtcholesterin) zu überprüfen. Dadurch lassen sich Veränderungen früh erkennen – und rechtzeitig behandeln.
Vielversprechende Entwicklungen im Kampf gegen Lp(a)
Die Medizin macht rasch Fortschritte bei der Behandlung von erhöhtem Lp(a). Was lange als „nicht behandelbar“ galt, rückt in greifbare Nähe.
Neue Therapien, die die Bildung von Lp(a) direkt blockieren, zeigen in klinischen Studien beeindruckende Ergebnisse. Diese Medikamente könnten in den nächsten Jahren grundlegend verändern, wie wir Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern.
Bis dahin bleibt eines entscheidend: Kümmern Sie sich aktiv um Ihr Herz. Halten Sie Cholesterin, Blutdruck und Blutzucker im Zielbereich und achten Sie auf ausreichend Bewegung. Damit schaffen Sie die beste Basis – heute und für die Therapien von morgen.
Quellen
Wissenschaftliche Quellen und medizinische Referenzen. Die Informationen auf dieser Seite zu aktuellen und zukünftigen Behandlungsmöglichkeiten bei erhöhtem Lipoprotein(a) basieren auf anerkannten wissenschaftlichen Studien, internationalen Leitlinien und klinischen Fachpublikationen.
European Atherosclerosis Society (EAS)
Konsensus-Empfehlungen zum klinischen Management von Lipoprotein(a), einschließlich LDL-Senkung, PCSK9-Hemmern und Lipoprotein-Apherese.
https://eas-society.org/page/lipoproteina-consensusEuropean Heart Journal
Übersichtsarbeiten zu therapeutischen Strategien bei erhöhtem Lipoprotein(a) sowie zu neuen Lp(a)-senkenden Therapien wie Antisense- und siRNA-Verfahren.
https://academic.oup.com/eurheartjJournal of the American College of Cardiology (JACC)
Klinische Studien und Reviews zu PCSK9-Hemmern, Lipoprotein-Apherese und zur Rolle von Lipoprotein(a) bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten.
https://www.jacc.orgNew England Journal of Medicine (NEJM)
Klinische Studien zu Antisense-Therapien gegen Apolipoprotein(a), darunter pelacarsen, mit starker Senkung von Lp(a)-Werten.
https://www.nejm.orgEuropean Society of Cardiology (ESC)
Leitlinien zur kardiovaskulären Prävention und zum Umgang mit genetisch bedingten Risikofaktoren wie Lipoprotein(a).
https://www.escardio.org/Guidelines
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